Einleitung
Backups von Security-Daten sind kein Nice-to-have, sondern ein zwingender Bestandteil jeder SIEM-Architektur. Mit dem Wazuh Indexer (basierend auf OpenSearch) stehen dafür leistungsfähige Mechanismen zur Verfügung – allerdings nicht immer dort, wo man sie intuitiv erwartet. Besonders häufig entsteht Verwirrung rund um Index State Management (ISM), Snapshot Policies und die unterschiedlichen Wazuh-Index-Typen. Dieser Artikel erklärt, warum es in ISM keine „Backup“-Action gibt, wie Snapshots korrekt erstellt werden und wie zeitbasierte Backups in der Praxis wirklich funktionieren.
Ausgangslage / Problemstellung
Eine Wazuh-Umgebung nutzt den Indexer-Cluster mit aktivierter Index Lifecycle/State Management Funktionalität. Ziel ist es:
- alle relevanten Indizes regelmäßig in ein lokales Repository (z. B.
backup2025) zu sichern - alte Indizes nach erfolgreichem Backup zu löschen
- Backups ggf. auf einen bestimmten Zeitraum zu begrenzen
Beim Erstellen einer State Management Policy fällt jedoch auf:
- Es gibt keine Action namens „backup“
- Snapshot-Funktionen scheinen nur eingeschränkt konfigurierbar
- Zeiträume lassen sich nicht frei definieren (z. B. „01.01.2025–31.03.2025“)
Technische Analyse
Der entscheidende Punkt ist die strikte Trennung zweier Konzepte in OpenSearch – und damit auch in Wazuh:
1. Snapshot Management ≠ Index State Management (ISM)
- Snapshot Policies sind zuständig für Backups
- ISM Policies sind zuständig für den Lebenszyklus von Indizes (z. B. Warm, Cold, Delete)
Das ist der Grund, warum es in ISM keine Backup-Action gibt. Backups sind bewusst entkoppelt vom Index-Lifecycle, um Datenverlust durch Fehlkonfigurationen zu vermeiden.
2. Snapshot Policies arbeiten indexbasiert – nicht zeitbasiert
Snapshots sichern Indizes, keine Zeiträume.
Zeitliche Einschränkungen ergeben sich ausschließlich aus:
- dem Index-Naming-Schema (z. B. tägliche oder monatliche Indizes)
- der Index-Auswahl in der Snapshot Policy
Ein Zeitraum wie „01.01.2025–31.03.2025“ existiert für OpenSearch nicht als Metadatum, sondern nur indirekt über die Namen der Indizes.
3. Unterschiede der Wazuh-Index-Typen
Typischerweise finden sich u. a. folgende Index-Familien:
wazuh-alerts-*
Enthält die eigentlichen Security-Alerts (HIDS, FIM, Vulnerabilities etc.).
→ Hochkritisch, unbedingt backupwürdigwazuh-monitoring-*
Enthält interne Monitoring-Daten (Agent-Status, Health, Heartbeats).
→ Oft weniger kritisch, meist kurze Retentionwazuh-statistics-*
Aggregierte Statistikdaten, häufig wöchentlich oder täglich rotiert.
→ Wird oft für Dashboards genutzt, weniger für Forensik
Die Snapshot-GUI erlaubt bei manchen Index-Typen nur eingeschränkte Auswahl, weil diese Indizes bereits stark standardisiert und kurzlebig sind.
Lösung / Best Practices
Schritt 1: Snapshot Policy für Backups erstellen
Da das Repository (backup2025) bereits existiert:
- Im Dashboard zu Indexer management → Snapshot management → Snapshot policies
- Create snapshot policy
- Repository auswählen (
backup2025) - Index Pattern definieren, z. B.:
wazuh-alerts-*- optional zusätzlich
wazuh-monitoring-*
- Zeitplan festlegen (z. B. täglich oder wöchentlich)
- Retention konfigurieren (z. B. Snapshots nach 90 Tagen löschen)
Damit werden regelmäßig alle passenden Indizes gesichert, die zum Zeitpunkt der Snapshot-Ausführung existieren.
Schritt 2: ISM Policy zum Löschen alter Indizes
Separat dazu wird eine Index State Management Policy erstellt:
- Hot → Delete nach z. B. 90 oder 180 Tagen
- Kein Backup-Schritt hier – das Backup passiert bereits über Snapshot Policies
- ISM greift indexweise, sobald Altersbedingungen erfüllt sind
So entsteht eine saubere Kette:
Index entsteht → wird regelmäßig gesnapshottet → wird nach Retention gelöscht
Schritt 3: Backups für einen konkreten Zeitraum (z. B. Jan–März 2025)
Ein direkter Zeitraum ist nicht möglich. Stattdessen:
- Identifiziere die Indizes über das Namensschema, z. B.:
wazuh-alerts-2025.01.*wazuh-alerts-2025.02.*wazuh-alerts-2025.03.*
- Erstelle entweder:
- eine temporäre Snapshot Policy mit genau diesen Indexmustern
- oder einen manuellen Snapshot, der explizit diese Indizes enthält
- Nach erfolgreichem Backup kann die temporäre Policy wieder entfernt werden
Das ist der einzige saubere Weg, einen „Zeitraum“ abzubilden.
Lessons Learned / Best Practices
- ISM ist nicht für Backups zuständig – Snapshots sind ein eigenes Subsystem
- Snapshots sichern Indizes, keine Zeiträume
- Zeitliche Auswahl erfolgt immer indirekt über Index-Namen
wazuh-alerts-*sollte immer priorisiert gesichert werden- Backup- und Löschlogik strikt trennen, um Datenverlust zu vermeiden
- Für Sonderanforderungen (Forensik, Legal Hold) temporäre Snapshot Policies nutzen
Diese Trennung wirkt zunächst umständlich, erhöht aber massiv die Betriebssicherheit.
Fazit
In Wazuh gibt es bewusst keine „Backup“-Action in Index State Management Policies. Backups werden ausschließlich über Snapshot Policies realisiert, während ISM den Lebenszyklus der Indizes steuert. Wer dieses Zusammenspiel versteht und Index-Namensschemata konsequent nutzt, kann zuverlässige, revisionssichere Backups aufbauen – inklusive gezielter Sicherungen für definierte Zeiträume.
Mehr zu Wazuh …
https://wazuh.com/?utm_source=ambassadors&utm_medium=referral&utm_campaign=ambassadors+program
Mehr zum Wazuh Ambassador Program …
https://wazuh.com/ambassadors-program/?utm_source=ambassadors&utm_medium=referral&utm_campaign=ambassadors+program
https://wazuh.slack.com/archives/C07BZJY86G3/p1770232948452049